Berichte

Clariden, 3267m und Tödi, 3612m durch die Westwand mit BF

Der langen Rede kurzer Sinn – ziemlich dumm, mein Fauxpas: Ich hatte alles reserviert ausser die Hüttenreservation vergessen… Die laaange Suche nach einem Ersatzziel war nervenaufreibend. Denn das Hüttenreservationssystem spuckte immer nur 0 verfügbare Betten am 16. August aus. Irgendwann konnte ich die Windgällenhütte reservieren. Doch genau da erreignete sich im Juli am Bröselberg “Grosse Windgällen” auch noch ein grösserer Felssturz, also musste wieder ein neues Ziel her. Fündig wurde ich schlussenlich 3 Tage vor Abreise im Hotel Steingletscher.

Mit dem Bergführer André Reithebuch verbrachten wir tolle zwei Tage und bestiegen sehr wenig begangene Gipfel. Auch für ihn waren die von mir auserkorenen Gipfelziele neu und die Routenfindung wurde zu einem Gemeinschaftswerk, da diese nicht immer so offensichtlich war.

Am Samstag steigen wir steil zum Südostgrat am Fünffingerstock. Aber oha… irgendwie passt die Kletterschwierigkeit so gar nicht zum Beschrieb im Tourenportal. Wir klettern in Bockschuhen ohne irgendwelche Bohrhaken bombenfeste Granitplatten hoch im höheren 4. Schwierigkeitsgrad. Schlitze um Friends zu platzieren, suchten wir vergebens. Weiter oben wird es dann deutlich einfacher – zum Glück. Die Kletterei wird anregend, luftig und macht allen richtig Spass! Für einzelne ist so eine alpinen Gratkletterei Neuland. Während der ganzen Tour treffen wir auf einen einzigen alten Schlaghaken. Begehungsspuren sehen wir keine und Menschen sowieso nicht. Der Abstieg durch die Rinne ist weniger lustig – unter den Füssen ist alles in Bewegung. Im oberen Teil finden wir dann eine sicherere Abstiegsvariante, die so im Führer nicht erwähnt ist. André ist froh, sind wir alle so trittsicher, denn weiter unten bleibts lose. Auf alten Fotos finden wir eine Antwort, warum der Einstieg so schwierig war: wegen gänzlich abgeschmolzenem Firn beginnt die Kletterei weiter unten.

Der zweite Tag startet früh. Kurz vor Sonnenaufgang steigen wir in den Klettersteig ein, der zur Tierberglihütte führt. Zwischendurch ist Armkraft gefragt, aber alle hangeln sich mühelos wie kleine Affen dem Seil entlang hoch. Wir sind zügig unterwegs und stehen bereits 2 h später bei der Hütte. Materialdepot, Steigeisen an und weiter gehts über den Gletscher hoch zum Mittler Tierberg an sehr eindrücklichen Spalten vorbei. Der Hagel von vergangener Nacht macht das Gehen auf dem Gletscher angenehm. Kurze Pause und schon steigen wir weiter über einen hübschen Firngrat an den Fuss des eindrücklichen Nordgipfels vom Hinter Tierberg. Hier beginnt wieder das Klettern über ein paar hübsche Stufen aber oft auch instabiles Gelände. Wir sind drei Seilschaften, darum müssen wir vorsichtig sein. Im steilen Teil hats ein paar wenige Bohrhaken, die wir dankend einsetzen. Das erleichtert uns den Aufstieg aber vorallem auch den Abstieg massiv, da wir abseilen können. Der Rest ist schnell erzählt: Film retour abspulen mit kleinem Zwischenhalt in der Tierberglihütte, bis wir am späteren Nachmittag wieder unten bei Umpol ankommen.

Uns allen hat das Weekend total viel Spass bereitet und alle Teilnehmer durften mit Grinsen im Gesicht auf 3 neuen Gipfeln stehen! Vielen Dank an André für deinen Humor und deine lockere und offene Art zu führen oder auch mal hinten her zu gehen. Zwischendurch hatte sogar die eine odere andere kleine Ausbildungssequenz Platz.